Fall des Monats

 

Der Tag, an dem die Kletterkarriere von Kater Filou in Gefahr war..

Guten Tag, mein Name ist Filou. Ich bin ein 6-jähriger Kater, der in der Katzenwelt als der Geheimfavorit in der Baumkletterszene bekannt ist. Täglich übe ich mehrmals meine Technik an dem grossen Baum im Garten, und geniesse es, wie ein König über mein Land zu blicken. 

 

 

 

 

 

 

 

Vor einem Jahr war ich an einem sonnigen Sonntagnachmittag beim Abstieg vom Baum kurz von einem Vogel abgelenkt und ich musste an der falschen Stelle abspringen.

Ich landete unsanft auf einem unförmigen Stein und ein stechender Schmerz durchfuhr mein rechtes Hinterbein. Ich versuchte mich aufzurichten, aber ich konnte das Bein nicht mehr auf dem Boden aufsetzen

    Es wurde mir immer wieder kurz schwarz vor Augen. Also versuchte ich, das schmerzende Hinterbein nicht mehr zu belasten
    und auf drei Beinen das Haus zu erreichen. 

 

 

Gottseidank sah ich mein menschliches Mami im Garten sitzen und rief ihr lauthals zu: «Mami, Mami komm her, ich habe mich verletzt.» Mein Mami erkannte sofort, dass ich Hilfe brauchte und rief entsetzt der Nachbarin über den Gartenzaun zu: «Maja, kannst Du mich zu einem Tierarzt fahren? Filou ist verletzt.» 

Maja rief zurück: «Ja sicher, ich hole das Auto».

 

 

In der Transportbox im Auto hörte ich Maja zu meiner Mami sagen: «Katja, mach Dir keine Sorgen, ich fahre Dich in die Kleintierklinik S. AG in Flamatt, die haben 24/7 Notfalldienst und sind mit allen Geräten ausgestattet, um die überlebensnotwendigen Untersuchungen machen zu können. Meiner Mia haben sie nach dem Autounfall auch geholfen. Ich habe Herrn Dr. Steiner bereits telefonisch kontaktiert.»

 

Als wir ankamen, öffnete uns eine Frau die Tür, die Maja mit «Frau Senn» begrüsste. Wir wurden sofort in ein Zimmer geführt und Frau Senn öffnete meine Transportbox. Misstrauisch habe ich sie beäugt. Frau Senn berührte mich ganz vorsichtig am Kopf und sagte zu mir: «Keine Angst Filou, wir sind ganz vorsichtig.» Dann betrat ein Mann das Zimmer, Maja sprach ihn mit «Dr. Steiner» an. Er schaute mich an und begrüsste mich mit meinem Namen. Ganz vorsichtig fing er an mich zu berühren.

 

Als er Richtung Hinterbein kam und merkte wie ich mich versteifte, sagte er zu meinem Mami: «Filou hat grosse Schmerzen, wir werden ihm zuerst ein Schmerzmittel spritzen um ihm die Untersuchung so schmerzfrei wie möglich zu gestalten.» Ich mochte diesen Mann. Nach der Spritze fühlte ich mich sofort besser, der Schmerz ging zurück und ich konnte wieder ruhiger atmen. Wieder untersuchte Dr. Steiner vorsichtig meinen Körper. Er informierte mein Mami, dass er eine Fraktur vermutete und nun zur Bestätigung der Diagnose ein Röntgenbild machen werde. 

 

 

 

Frau Senn nahm mich vorsichtig in die Arme und ging mit mir in einen separaten Raum um, wie sie zu mir sagte, «ein Foto zu machen». Zurück im vorherigen Raum erklärte Dr. Steiner meinem Mami das Foto, welches bestätigte, dass ich mein rechtes Hinterbein gebrochen habe.

Ein Schreck durchfuhr mich… Gebrochen?? Mein Gott, kann ich dann nie mehr auf Bäume klettern?? Als ob Frau Senn meine Ängste gehört hätte, flüsterte sie mir ins Ohr: «Keine Sorge Filou, dass kann man reparieren». Dr. Steiner erklärte meinem Mami, was sie für mich tun können. Ich verstand nicht alles, aber das Wichtigste konnte ich raushören: «Dank dieser hochwertigen Technik wird Filou sein Bein nach der Heilungsphase wieder wie vorher belasten und einsetzen können.

    Sein Bein wird mit einer Titaniumplatte verschraubt, aber er wird aufgrund der Leichtigkeit dieses Materials und der
    Anpassungsfähigkeit der Platte keinen Unterschied beim Klettern und Springen bemerken. Und diese Titaniumplatte kann im
    Körper verbleiben, so dass Filou nicht noch einmal operiert werden muss». Titaniumplatte

 

 

Weiter erklärte Dr. Steiner meinem Mami, dass ich in der Klinik bleiben muss. Sie müssen zuerst meinen Körper stabilisieren können, um eine optimale Grundlage für eine Operation zu schaffen. Ich gebe zu, es fiel mir schwer ohne mein Mami zurückzubleiben.

 

 

 

Aber ich fühlte mich nicht alleine, in regelmässigen Abständen kamen gleichgekleidete Menschen zu meiner Box, die mir mit grossem Mitgefühl Mut zusprachen und schauten, dass ich keine Schmerzen hatte. Zusätzlich hörte ich im Hintergrund leise Musik, die ich als tröstend und beruhigend empfand und mir das Einschlafen erleichterte.

    Von der Operation habe ich nicht viel mitgekriegt, Frau Senn sagte zu mir: «Schlaf gut Filou, ich werde auf Dich aufpassen»
    und schon bin ich eingeschlafen.

 

 

 

 

 

 

Nach dem Aufwachen merkte ich sofort, dass mein Bein wieder funktionierte, aber ich musste es noch schonen und auf Klettertouren sowie Sprünge verzichten bis alles verheilt war.

 

 

 

Nach Ablauf des Hausarrests machte ich mich auf den Weg zu meinem geliebten Baum um mein «Titaniumbein» auf Herz und Nieren zu testen. Und ich war überrascht… flink wie ein Wiesel kletterte ich den Baum hoch – keine Veränderung zu vorher, jeder Bewegungsablauf meines Beines passte punktgenau. 

 

 

 

 

 

Überglücklich, dass ich meine Rolle als Geheimfavorit in der Baumkletterszene behalten konnte, übe ich nun wieder
jeden Tag meine Technik. Und unter uns gesagt, fühle ich mich mit meinem Titaniumbein wie «Supercat»

Ich bin überzeugt, dass ich in naher Zukunft vom
Geheimfavoriten zum Schweizermeister im Baumklettern aufsteigen werde. 

Euer Filou